Die letzten Bäume der Friedensallee stehen heute nur noch auf dem kurzen Stück zwischen dem ehemaligen Kaufhaus Ruge und dem Ehrenmal auf der einen und dem Hof Seemann und dem Hof Trede auf der anderen Seite.

Der weiterführende Weg Richtung Puls wurde einst Dorfstraße genannt. Auf einer alten Postkarte von ca. 1910 ist die Dorfstraße aufgeteilt: vom Ehrenmal bis zur Kreuzung beim Hof Solterbeck als vordere Dorfstraße bezeichnet. Der weiterführende Teil bis zum Ortsausgang nach Puls wird hintere Dorfstraße genannt.

      vordere Dorfstraße   Hintere Dorfstraße  Wegweiser

Bild links: Höhe Ehrenmal mit Blick nach Norden - Hof Trede (früher Rosenkranz, Ott)

Bild Mitte: Höhe Hof Solterbeck mit Blick nach Süden (rechts geht´s in den Seegensgang)

Bild rechts: In der Friedenstr. an der Einmündung Seegensgang stand dieser hölzerne 3-armige Wegweiser.

 

Ein Schüleraufsatz aus der Schulchronik, geschrieben von Anni Grewe am 12.5.1922, abgeschrieben von Max Voß am 24.11.1925, aus der alten deutschen Schrift übersetzt 2018 von Gertrud Keller:

1870-71 war es, als Deutschland den großen Sieg errang. Das ganze Land war voll Begeisterung. Auch hinein in unser Dorf machte dieselbige mit eiligen Schritten. Waren doch auch aus Beringstedt Männer, die den Sieg mit erkämpft hatten. Nun kamen sie heim. Mit leuchtenden Augen. Im Gesicht stand das schöne Wort geschrieben „Sieg“. Lauter fröhliche Herzen nahmen dieses Wort auf. Ja, es war ein großes Ereignis. An diese große Tat wollten die Beringstedter noch lange erinnert bleiben. Aus Siegesfreude und Dankbarkeit pflanzten sie die Friedensallee.

Beringstedt Kaufhaus RugeZu beiden Seiten der Straße bei Herrn Ehler Ruges Hause und Herrn Klaus Ott´s Hause beginnt sie und führt bis zum Spritzenhaus. Alle Bauern im Dorf mußten einen jungen Eichenbaum liefern. Die Tagelöhner und Knechte mußten Löcher graben. Hierin wurde der Baum gesetzt. Beim Spritzenhaus wurden 3 Eichenbäume gepflanzt. Jetzt sind es schon stämmige Eichen. Diese 3 sind von den verstorbenen Bauern Lucht, Ruge und Wendell gepflanzt. Dieselben haben mit ihren Tagelöhnern die jungen Pflänzlinge der Erde anvertraut. Endlich hatten alle Bäume ihren Platz erhalten. Das mühevolle Erinnerungswerk war gelungen. Man hatte 1-2 Tage daran gearbeitet. Eine kleine Feier wurde veranstaltet. Der Tag war herangekommen, an dem die Einweihung vollzogen werden sollte. Der damalige Lehrer Lindemann hielt eine bewegte Rede über Deutschlands Sieg. Er gab zu erkennen, daß das Vaterland hochgestiegen war. Es war den Deutschen gelungen die verhaßten Franzosen zu besiegen. Die größeren Schüler sangen nach der Rede des Lehrers ein Lied. Die jungen Bäume standen stolz da vor der versammelten Gemeinde. Sie streckten ihre Zweige aus als fühlten sie sich schon stark und mächtig und mahnten mit schallender Stimme: Wir wollen ein Andenken sein an die Ruhmesjahre, die dem Deutschen Lande widerfahren sind. Es klang wie ein heiliger Schwur. Sie haben recht gehabt. Ein Andenken an jene Zeit ist die Friedensallee geblieben. Mancher Sturm hat schon seine Macht an den Bäumen erprobt. Doch dieselben stehen fest. Sie wanken nicht. Ihre breiten Kronen neigen sich zueinander und flüstern sich von dem ruhmvollen Tag, den Deutschland erlebt hat, ins Ohr. Es war eine schöne Zeit. Wir wollen hoffen, daß unser Vaterland auch jetzt wieder hochkommt und wir einen solchen Freudentag feiern können wie 1871.

Kleiner Nachtrag von Gertrud Keller zur obigen Übersetzung: Das Spritzenhaus (Feuerwehr) auf dem Dreieck, hinter dem Haus Ruge, wurde später als Gemeinschafts-Gefrieranlage (Gefriergenossenschaft) von den Beringstedter Bürgern weiter genutzt. Danach wurde es abgerissen. Heute steht dort die Bushaltestelle für den Schulbus. Davor liegt der Stein der St. Vitusgilde Beringstedt.

          Winter Dez 1982 2      Winter Jan 1983 2

 

Auf folgendem Bild kann man sehen, dass die Baumallee noch weiter reichte in Richtung Ortsausgang Puls.

Friedenstraße Ehrenmal 2

 

Die nachfolgenden Bilder wurden zur Verfügung gestellt von Rolf Ehlers, Bad Salzdetfurth, aufgenommen von seinem Vater Friedrich Ehlers (Dorflehrer in Beringstedt bis 1964).

Foto unten: Blick in die Dorfstraße  So benannt vom Fotografen  -der heutige Straßennamen wurden erst 1980 festgelegt-

Friedenstraße   Blick Richtung DorfmitteFriedenstr Rtg Puls Blick Richtung Ortsausgang nach Puls

Am Ehrenmal 1  

1981/82 wurde die Friedenstraße ausgebaut und asphaltiert. Auch die Fuß- bzw. Radwege, die es hier nur einseitig ab wurden nun auf beiden Seiten der Straße neu angelegt. Der für die Verbreiterung der Straße nötige Erwerb von 1600 gm Grundfläche wurde "freihändig" ohne Planfeststellungsverfahren durchgeführt. In weniger als 3 Tagen waren die Verträge mit den 28 Anliegern abgeschlossen. Von der Baufirma Wieben wurde die neue Straße nach zehnmonatiger Bauzeit fertiggestellt. Im September 1982 gab es dann für die ganze Gemeinde ein riesiges Straßenfest mit vielen Attraktionen: Viele verschiedene Spiele für die Kinder, Erbsensuppe vom DRK-Ortsverein, eine große Kuchentafel im eigens hierfür angelegten "Kaffeegarten", Grillwurst und -Fleisch, Fassbier und andere Getränke sorgten für einen regen Zulauf an Gästen. Auch wurden von den Kindern mehrere Hundert Luftballons auf die Reise geschickt (Initiator hierfür war das Deutsches Rotes Kreuz). Der Erlös aus dieser gut besuchten Veranstaltung solle, laut Festredner Claus Seemann, der Verschönerung des Ehrenmals zugute kommen: Blumenschalen, Ruheecke mit Bank, so sein Vorschlag. Im Festkomitee waren: Karin Wittenberg, Inge Thede, Jürgen Breiholz und Manfred Wendrich. Sie sorgten mit ihrer guten Planung für einen reibungslosen Ablauf. Die Baukosten für diese Maßnahme betrugen: 1.020 000 DM. Davon 821.000 DM für die Baufirma Wieben. Der Rest wurde für Grunderwerb, Bepflanzung und Beschilderung und Markierungen benötigt. Vom Land Schleswig-Holstein gab es hierfür einen Zuschuß von 70%. Die Auftragserteilung erfolgte durch den Kreis Rendsburg-Eckernförde.

Beginn der Ausbauarbeiten Friedenstraße   Asphaltierungsarbeiten Dez 1981 Fr

Aus der einstigen Landesstraße wurde eine Kreisstraße.

Auch die Seitenstreifen wurden ausgebaut und bekamen einen Fuß/Radweg. Dabei wurden die zuvor oberirdischen Telefonkabel in die Erde verlegt.

Bauarbeiten Friedenstraße Verbreiterung  neuer Seitenstreifen bei Trede

Arbeiten am Seitenstreifen bei Seemann  neuer Rad und Fußweg Mai 1982

Freidenstraße Markierungsarbeiten  Markierungsarbeiten Fr str

Nach Abschluß dieser Arbeiten wurde für alle Beringstedter ein Straßenfest organisiert, bei dem viele Beringstedter zum Gelingen beitrugen:

Straßenfest 1982 Kaffetafel  Straßenfest 1982 Kaffetafel 1 

 Straßenfest 1982 Grillbude  Straßenfest 1982 Ruhezone

Straßenfest 1982 Flohmarkt 1  Straßenfest 1982 Glücksraddrehen

Straßenfest 1982 Umzug mit Musik  Straßenfest 1982 Dosenwerfen bei Dörte

Straßenfest 1982 Fanfarenzug Tb 1  Straßenfest 1982 Fanfarenzug Tb

 

 

 

 

aufgeschrieben von Otto Bolln

In einer Deutung alter Flurnamen wird der Name Seegen wie folgt aufgeführt: 

Segen                auch Seggen, Sehn oder Seden = niedriges im Sommer austrocknende sonst aber eher mit Wasser gefüllte Stellen im Ackerland. Im Sommer Wiesen, seichte Grasstellen auf denen Gras gemäht werden kann. Segen = auch niedersinken.

                         Der Name hat somit nichts mit der kirchlichen Bedeutung Seegen zu tun. Er beschreibt lediglich die einstigen Begebenheiten in diesem Flurgebiet.

 

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Straßenverhältnisse keinesfalls ideal. Sie besserten sich erst, als die kurven-, steigungs- und neigungsreiche Straße Barlohe-Beringstedt-Gokels im Jahr 1864 von der Provinzialverwaltung als geschotterte Chaussee erbaut wurde, wo vorher nur unbefestigte Sandwege vorhanden waren. 1923 wurde die Straße wesentlich verbessert, heute ist sie eine Asphaltstraße.

Der 9 Kilometer lange Weg über Puls zum zuständigen Kirchort Schenefeld blieb für die Kirchenbesucher aus Beringstedt eine Qual, besonders in Regenzeiten und im Winter. Das änderte sich erst, als 1863 in Todenbüttel eine Kirche erbaut wurde, Beringstedt aus dem Kirchspiel Schenefeld ausschied und der Weg dorthin an Bedeutung verlor.

Zwischen dem Weg nach Puls (Friedenstraße) und der Straße nach Seefeld (Seegen) befand sich ein kleines Moorgebiet, durch das ein Pfad für Fußgänger führte. 1776 wurde dieser Gang passierbar gemacht und die vom Torfabbau herrührenden Moorkuhlen, die hier rechts und links vorhanden waren, wurden zum Westflan hin entwässert und 1840 bis ´50 aufgefüllt. Der Flurname `Moor´ hat sich noch lange erhalten für die Weiden, die heute zu den Höfen Mehrens (früher Lucht), Voß und Hadenfeldt (heute Solterbeck) gehören. In der Zeit von 1885 bis 1900 wurde der `Gang´, dessen Namen sich bis heute erhalten hat (Seegensgang), zur festen Straße und ist heute asphaltiert.                                     

                                                Wegweiser

Bei Jürgen Hadenfeldt´s Haus (Friedenstr./Seegensgang, heute Solterbeck) stand ein dreiarmiger Wegweiser, dessen Arme den Weg nach Schenefeld, Hanerau und Rendsburg zeigten und entsprechend beschriftet war. Wir haben als Knaben oft auf diesem Wegweiser gesessen, bis die Weiser abbrachen und der Pfahl umstürzte. Er war unseren vereinten Turnübungen nicht mehr gewachsen.

Der Zustand der in die Feldmark führenden Wege war früher ebenfalls katastrophal: Im Sommer sandig und staubig, in Regenzeiten meistens nur mit hohen Stiefeln passierbar. Besonders der Weg zum Teinkamp (Klempen), zum Bär- und Schwienskamp und nach Ostermühlen. Es dauerte lange, bis ihr Zustand endlich in dörflicher Gemeinschaftsarbeit verbessert wurde.

Ein Bild von der Straße Seegen mit Blick in den Weg Mückenhörn

Seegen Mückenhörn

Hier stand einst eine Doppeleiche auf dem Dreieck.

Und (umgekehrt) der Blick vom Mückenhörn in Richtung Seegen, Hof Wendell.

Diareihe 2 041

... und von Seefeld kommend Richtung Steinbergstraße

Seegen 1  

Ebenfalls die Straße Seegen, Höhe der letzten Häuser am Ortsausgang Richtung Seefeld, mit Blickrichtung Osten

Diareihe 6 042  

Diese Bilder wurden Anfang der 1960er vom Dorflehrer Ehlers aufgenommen und im Febr. 2019 von seinem Sohn Rolf zur Verfügung gestellt.

Hier am Ortsausgang von Beringstedt Richtung Puls gab es auf dem Fohrsberg einst Hünengräber. Bei Arbeiten am Wegausbau nach Puls wurde Ende des 19. Jrh. der große Abdeckstein als Denkmal für den deutschen Kaiser Wilhelm I ins Dorf gebracht und hier aufgestellt. 1972 wurden diese Hünengräber archäologisch untersucht. Bevor die Straße ausgebaut wurde gab es hier nur Fuhrten durch die damals sogenannte Mühlenbek (Fohrsau).

detailierter Lageplan