Die noch vorhandenen Informationen zu diesem Bericht über die Walzengemeinschaft wurden 2024 zur Verfügung gestellt von Hermann Möller. Er ist der letzte, der dieser Gemeinschaft beigetreten ist, nachdem Paul Kaltenbach ihm seinen Kuhstall im Wesfladen und das dazugehörige Land verkauft hat. Von den ehemaligen Mitgliedern haben viele ihre Landwirtschaft mittlerweile längst aufgegeben oder sind nicht mehr am Leben.
Ohne Datum: Das Gründungsprotokoll der Walzengemeinschaft (vorliegend als Kopie, siehe weiter unten) mit den dazugehörigen Unterschriften der Mitglieder ist ohne Datum.
Die Gründung dieser Gemeinschaft liegt in den 1970ern.
Zuvor gab es bereits eine Maschinengenossenschaft, die sich in den 1950er Jahren zusammengeschlossen hatte.
Dieser Beleg aus dem Jahr 1956 wurde von Ingrid Martens zur Verfügung gestellt:
Als Maschinen-Fahrer bzw. Arbeiter dienten Hans Fischer, Fohr, und Adolf Keller, Am Wischhof 13, für die Maschinenhaltungsgenossenschaft. Im Frühjahr wurde Unkraut gespritzt und im Winter -auf den Dielen der einzelnen Höfe- gedroschen oder mit dem Buschhacker wurde Kleinholz gemacht. Auch eine Stroh-Presse gab es bei der Maschinen-Genossenschaft ebenso einen 2-reihigen Kartoffelroder von LANZ. Ebenso einen Miststreuer mit einem Greifarm zum Aufladen. Jedoch keine Mähdrescher. Diese hatten viele Bauern selbst oder in Gemeinschaft mit einem Nachbarn oder einem anderen Hofbesitzer (so z. B. bei Erh. Marxen, der gemeinsam mit seinem Nachbarn Adolf Timm eine solche Maschine gekauft hatte. Diese wurden damals noch von einem Traktor gezogen).
Folgende alte Rechnungen der Maschinenhaltungsgenossenschaft wurden ebenfalls von Ingrid Martens zur Verfügung gestellt:
Abschrift der beschlossenen Verfassung der Walzen-Gemeinschaft:
Die Unterzeichner beschließen eine Walzengemeinschaft zu gründen und als Interessenten mit den nachfolgend aufgeführten Hektar beizutreten.
Ferner erteilen die Interessenten der Gemeinschaft die Vollmacht von ihrem Konto bei der Raiffeisenbank in Beringstedt alle fälligen Zahlungen abzuheben.
Als Vorstand der Gemeinschaft werden gewählt:
Erh. Marxen, Willi Schipmann und Hans H. Martens
Der Vorstand kann die Gemeinschaft vertreten. Neuanschaffungen und Verkäufe, sowie die Auflösung der Gemeinschaft bedürfen der einfachen Mehrheit der Interessenten.
Bei Einzelaustritt erhält der Interessent keine Rückzahlung der eingezahlten Beträge. Es soll jedes Jahr eine Hauptversammlung stattfinden.
Beigetreten sind -mit Unterschrift- folgende Landwirte:
Paul Kaltenbach mit 35 Hektar seiner Flächen
K. J. Specht 44 Hektar
H. J. Holm 54 Hektar
R. Kühl 29 Hektar
O. Mehrens 66 Hektar
Claus Voss 56 Hektar
H. G. Solterbeck 46 Hektar
H. H. Martens 60 Hektar
W. Schipmann 35 Hektar
Cl. H. Seemann 30 Hektar
Adolf Keller 20 Hektar
Hinrich Trede 40 Hektar
Otto Wilcke 43 Hektar
E. Marxen 76 Hektar
H. Krey 37 Hektar
H. Chr. Wendell 82 Hektar
W. Schröder 9 Hektar
Insgesamt gab es 753 Anteile
Zuletzt besaß die Walzen-Gemeinschaft folgende Maschinen: 1 Fräse 100,-- Mark/ha
1 Walze 9,-- Mark
Gemäß der Aussage von Erhard Marxen (2024), hatte die Gemeinschaft zeitweise sogar 3 Walzen. Eine große Walze übernahmen sie von Jochim Butenschön (Junior). Sie eignete sich besonders gut für Moorflächen.
Die Walzen-Gemeinschaft kaufte eine alte Scheune von einer Witwe, die am Kanal wohnte, Nähe Breiholz. Diese sollte abgebrochen werden und mit dem Material sollte in Beringstedt eine neue Halle aufgestellen werden um die Maschinen unterstellen zu können. Beauftrag damit war Wolfgang Schütt (Zimmerei Carsten Schütt, Saar 52). Leider stellte sich heraus, daß von den Abbruchteilen nur wenig für die neue Halle Verwendung finden konnte, weil vieles nicht mehr brauchbar war. Dies stellte sich jedoch erst beim Abbruch heraus, denn von der Walzengemeinschaft war niemand zuvor dort gewesen, um die alte Scheune zu besichtigen, was sich dann als Fehler herausstellte.
Die neue Halle wurde trotzdem gebaut und zwar auf dem Gelände hinter der Bahnhofs-Gastwirtschaft (heute Willi Quednau, der diese Halle später kaufte. Bild-Ausschnitt bei google maps 2024).
Nach und nach wurden dann Laufställe für die Kühe gebaut. Hier fiel dann kein Mist mehr an, stattdessen Gülle. So wurden die Miststreuer weniger und auch die anderen Maschinen verschwanden von der Bildfläche. Lohnunternehmer übernahmen mit ihren eigenen moderneren Maschinen die notwendigen Arbeiten auf den einzelnen Höfen. Diese wurden über die Zeit auch immer weniger, meistens aus Altergründen und weil die Kinder den Hof nicht weiterführen wollten. Die übrig gebliebenen Höfe mußten wachsen sowie auch die Maschinen der Lohnunternehmer immer größer wurden.
Von der Walzen-Gemeinschaft wurde damals eine Auktion veranstaltet. Fast alle Maschinen wurden dabei verkauft (verhökert, wie Herr Marxen sagte). Auktionator war Hans Wiese aus Bargfeld/Innien.
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