Ein Haus mit umfangreicher Geschichte:   Das alte Schulhaus

 

Am 27.10.1942 geschrieben von Peter Betka

Ich stehe vor der Dielentür eines mit Stroh gedeckten Hauses. Über der grün angestrichenen Dielentür steht mit weißer Schrift:

Dieses Haus soll Gott dein Tempel sein    Anno     1842

Ich betrete die Lehmdiele. Rechts von mir ein kleiner Schweinestall, links von mir ein kleiner kümmerlicher Kuhstall für etwa 4 Kühe. Jetzt gehe ich über die kurze Diele in die frühere Lehrerwohnung. Links von mir ist die Stube, vor mir die Schlafstube und rechts von mir eine kleine Küche, die ich soeben betreten habe. Nun gehe ich in den Garten. Mein Blick schweift umher. Der ältere Bau hat Fachwerk. Ich gehe ein wenig weiter. Jetzt geht´s die umgebaute Klasse. Links die Stube und rechts ist die Küche. In dieser Klasse waren ungefähr 40-80 Schüler. In der Klasse waren vier große Fenster, von denen eines zugemauert ist. Das alte Schulhaus wurde in der Inflation von Christoph Lohmann für den Wert von 2 Tonnen Roggen gekauft.

unterschrieben von Peter Betka

 

Dieses Bild wurde im Jahr 2021 von Ingrid Martens bei Aufräumarbeiten gefunden und zur Verfügung gestellt. Es zeigt den Lehrer Thomsen mit seinen Schülern vor der Dielentür der alten Schule. Unter den Schülern befindet sich wohl auch der Opa von Ingrid´s bereits verstorbenen Mann Hans Heinrich. Sein Opa, Hans Martens, wurde 1874 geboren. Somit müßte das Foto in den 1880er Jahren aufgenommen worden sein. Lehrer Thomsen trat 1881 seinen Dienst in Beringstedt an.

Schulfotoalt 1.1 für website

 

Erbaut 1842      Ein Bild aus der ersten Schulchronik (1884-1928):

 Alte Schule Bild aus der ersten Schulchronik für website

Im Jahr 1736 wurde in Ostermühlen Bauholz geschlagen um ein Gebäude für den Unterricht zu errichten.          (Dies wird in Schenefeld schriftlich festgehalten -am 7. Aug. 1736- mit Unterschrift des Herrn A. M. Büßer                            -leider sehr unleserlich, der weitere Text läßt sich nicht mehr übersetzen).

Bis im Mai 1901 die neue Schule gebaut und fertiggestellt war, wurden die Schulkinder hier unterrichtet. Siehe hierzu: Beringstedt.de/Chronik, die Geschichte der alten Schule in Beringstedt

Hier wohnten ab 1842:

der Lehrer E. C. Wernecke, 1836 – 1856 Lehrer in Beringstedt. Dazu findet sich folgendes im

                Landesarchiv Schleswig, Abt. 104/571     Schule Beringstedt

Schreiben des Schulmeisters E. C. Werneke an das königl. Amtshaus in Rendsburg, im Mai 1842:

Die Eingesessenen der Dorfschaft Beringstedt haben am 2. Pfingsttag während meiner Abwesenheit, eigenmächtig und ohne alle Befugnis einen, vor dem Schulhaus stehenden Torfstall in meinen Garten gerückt, und mir dadurch nicht allein einen bedeutenden Schaden von dem Genuß meiner diesjährigen Gartenfrüchte zugefügt, sondern mir auch einen Teil meines ohnehin sehr wenigen Gartenlandes entzogen. Dass eine solche eigenmächtige am offenbaren frevelbarkündenden Tat vom königlichen Amtshaus gewiß nicht geduldet werden wird, läßt sich mit Bestimmtheit voraus setzen, weshalb ich untertänigst darauf anzutragen mir erlaube.

Hoch dasselbe wolle der Dorfschaft Beringstedt den Befehl erteilen, ohne Verzug den Torfstall aus meinen Garten zu schaffen und mir den zugefügten Schaden zu erstatten.

Amt Rendsburg erteilt mit Schreiben v. 30.Mai 1842 den Bauernvogt Söth den Befehl, den Stall wieder auf die alte Stelle zu schaffen.

Dann folgte

J. Fr. Lindemann (1856 – 1881). Dieser zog nach seiner Pensionierung zu seiner Tochter nach Ostermühlen.

Es folgte Lehrer Thomsen, ab 1881, der dann im Mai 1901 mit seinen Schülern in die neu gebaute Schule zog.

1884      Eintrag in der Schulchronik (Seite 7): In baulicher Hinsicht ist zu erwähnen, daß der Abort, welcher bis dahin zwischen Dung- und Torfstall am Wege stand, abgebrochen und jenseits des Stalls wieder neu aufgebaut wurde.

                1886      Eintrag in der Schulchronik (Seite 8): Eben vor Beginn des Winterhalbjahres am 21. Oktober, wure am hiesigen Schulhause eine Blitzableiteranlage mit 2 Auffangstanden, dem Leitungsdraht, das in den Brunnen hinabführt, angebracht, und zwar auf Befehl der Regierung, die solches für nötig erachtete.

                1887      Eintrag in der Schulchronik (Seite 9): In baulicher Hinsicht ist der Umbau des Kuhstalls zu erwähnen. Früher fraßen die Kühe aus hölzernen Krippen, die an der Diele entlang sich befanden, und durch Falltüren an derselben abgeschlossen wurden. Weil die Krippen mürbe, und der Kuhstall überhaupt zu kalt war wegen der Verbindung mit der Diele, so wurde er umgebaut in der Weise, wie er sich gegenwärtig vorfindet: Keine Krippen, sondern eine Futterdiele.

                1889      Eintrag in der Schulchronik (Seite 11): Die Revision durch den Schulrat hatte zur Folge, daß von der Regierung angeordnet wurde, einen freien Turn- und Spielplatz zu beschaffen in der Weise, daß der alte Torfstall abgebrochen und an anderer Stelle wieder aufzubauen sei. Mit dem Abbruch des Stalls wurde dann auch am Schluß des Juni-Monats begonnen und er wurde auf der anderen Seite der Straße neu wieder aufgebaut. Anfang September war der Bau fertiggestellt. In dieser Zeit wurde auch am Schulhause vorbei ein neuer Steindamm gelegt.

Wegen Leerstand zog hier vorübergehend die Familie Bruhn (Friedenstr. 18) ein. Ihr Wohnhaus war durch ein Feuer vernichtet worden und mußte erst wieder neu aufgebaut werden. Der erste Sohn der jungen Familie wurde in diesem alten Schulhaus geboren.

1902     In dem alten Schulhaus, das Gastwirt E. Voß für 2000 Mark käuflich erstand, wurden drei Familien-Wohnungen eingerichtet und vermietet.

Okt. 1920          Arbeiter Johann Clausen verkaufte das alte Schulhaus an Maurer Lützen für                                19.500 Mark.

ca. 1923/24     Gemäß dem obigen Bericht von Peter Betka: 

Das alte Schulhaus wurde in der Inflation von Christoph Lohmann für den Wert von 2 Tonnen Roggen gekauft.

                                         …mit Inflation meinte er die Zeit nach dem 1. Weltkrieg

 

Dieses Bild fotografierte Annelene Illing 1953

Alte Schule

(damals hieß sie noch Büßen, war 15/16 Jahre alt und bereitete sich mit einem Bericht über ihr Dorf auf ihren Schul-Abschluß in Hohenwestedt vor.)

Das Haus hatte wechselnde Mieter und Besitzer, jetzt Gustav Schröder. (Info aus der Dorf- und Schulchronik)

Auch der Taxi-Unternehmer Lohmann mit seiner Frau wohnte hier eine Zeit lang zur Miete.

Das Strohdach wurde entfernt und durch Eternitplatten ersetzt. Es wurde umgebaut und es entstanden zwei Wohnungen.

In der einen Wohnung lebte Herr Lübke mit Frau und Sohn.

In der zweiten wohnten Herr und Frau Möller mit ihrer Enkelin Christel Nagel.

Das folgende Bild wurde ca. 1965 aufgenommen und von Frau Tessmann, geb. Nagel, (K-Punkt Hwst), zur Verfügung gestellt. Es entstand als sie hier bei ihren Großeltern wohnte. Das Bild zeigt den verlauf der Alten Dorfstraße mit dem Nachbarhof Breiholz (später abgebrannt). Die Häuser auf der Ostseite waren noch nicht gebaut. Zu welchem Anlaß hier mit der Mukikkapelle entlangmarschiert wurde ist nicht mehr bekannt. Evtl. Kinderfest, Gildefeier oder Amtsfeuerwehrfest?

 

Auch der Taxi-Unternehmer Lohmann mit seiner Frau wohnte hier eine Zeit lang zur Miete.

Sowie Herr und Frau Stein (rechte Wohnung) mit der Schwiegermutter (links). Bis sie -In der Marsch 4- ein neues Haus bauten.

 

In den 1980er Jahren kam es hier zu einem schrecklichen Ereignis, das erst viele, viele Jahre später aufgedeckt wurde.

Leichenfund an der alten Schule für website

Es stellte sich dann heraus, dass der damals 17-jährige aus Hohenwestedt stammte und seit dem 14. April 1982 vermißt wurde. Die Kieler Mordkommission stieß auf einen Mann, der bei seiner Vernehmung zugab, den -bereits- Toten vergraben zu haben. Wie er jedoch zu Tode kam, angeblich erstickt, bleibt ungeklärt und war anhand der Skelettierung nicht mehr nachweisbar. Die Strafverfolgung wurde wg. Verjährung eingestellt. Die Mutter des vermißten Toten hatte jedoch endlich Gewissheit, wo ihr Sohn geblieben war.

Vom Garten von Siegfried und Brigitte Hinz aus wurde dieses Foto geschossen. Dabei kam, neben dem Schneemann, auch das alte Schulhaus mit auf´s Bild. Aufgenommen ca. 1990.

Alte Dorfstraße 5

Seit den 1990er Jahren gibt es neue Besitzer

 

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