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Friedenstraße 3

Dieser Hof wird wird im Jahr 1447 das erstemal erwähnt, in den ältesten, schriftlich erhaltenen Unterlagen im Landesarchiv Schleswig über den Ort Beringstedt, damals noch Bernstede.

Laut Recherche unseres ehemaligen Bürgermeisters und Ehrenbürgers Herbert Jürß im Landesarchiv Schleswig (Abt. I Nr. 203) wird der Name Otten (Radecke und Syverde), in der holsteinischen/dithmarscher Klageliste von 1447 erstmalig erwähnt. Es gab seinerzeit zwei Höfe Otten. Wer welchen Hof damals führte lässt sich nicht mehr feststellen.

In einer Notiz von Otto Bolln steht zu lesen, dass der Hof Ott um 1602 bereits 250 Jahre alt gewesen sein soll, also bereits um 1350 in Beringstedt ansäßig war.

Somit hat dieser Hof die älteste Geschichte in Beringstedt, von der wir heute wissen.

Das Gebäude sah damals jedoch anders aus und war wahrscheinlich in alter holsteinischer Bauweise erbaut, ähnlich dem alten Hof Wendell, von dem es noch ein Foto gibt:   Altes Haus Wendell

 

Ott Rosenkranz Trede2  

Foto (oben) um 1900 -aus dem Heimatbuch von 1920-   

Claus Ott, seine Frau Gretchen Ott, geb. Kock, und Tochter: Wiebke oder Anna

Foto (unten) zur Verfügung gestellt von Hinrich Trede u. seiner Frau Inge   

die Hofstelle Rosenkranz, mit Wintergarten. Das Bild muss nach 1920 entstanden sein, denn in dieser Zeit war Otto Rosenkranz Gemeindevorsteher in Beringstedt und neben der Haustür hängt auf der einen Seite das Schild, dass ihn für dieses Amt auszeichnet und auf der anderen Seite der Schaukasten mit den Veröffentlichungen für die Gemeinde.

Friedenstraße Hinrich Trede Görzen 2.1 2

 Hofgeschichte, soweit schriftlich belegt:

1447      Radecke Otten und Syverde Otten, werden jeweils als Hofbesitzer (2 Höfe) genannt.

1540      Thies Otte Vollhufe. In der Rendsburger Amtsrechnung (lt. Urkunde Landesarchiv) ist zu lesen, das er für die Verstärkung der Befestigung der Stadt Rendsburg eine Steuer von 12 Mark und 2 Schilling zahlen mußte.

1602      Detleff Otte,                      1634 Detlef Otte und                     1668      ebenfalls Detlef Otte

1679      Johann Harder Otten Witwe       Zu dieser Zeit ist der Hof eine Reuterhufe (auch Reiterhufe genannt). Bedingt durch den 30jährigen Krieg (1618-1648) und dem sogenannten `Polackenkrieg´ (1657 – 1670) hatte das ganze Land schwer gelitten. Das Königreich Dänemark -als Beherrscher des Herzogtum Holstein- war durch aufwendigen und luxeriösen Lebenswandel in Kopenhagen in ständiger finanzieller Bedrängnis. Man war dort aber auch sehr kreativ in der Erfindung neuer Steuerquellen und in der Einsparung und Abwälzung von Kosten aller Art. Der Dänenkönig Christian V (er regierte von 1670 – 1699) verfügte kurz nach seiner Thronbesteigung im Jahr 1671, die Kosten des stehenden Heeres drastisch einzuschränken und zwar in der Weise, dass die berittenen Truppen des Heeres kurzer Hand auf die Bauernhöfe verlegt bzw. verteilt wurden. Im heutigen Amt Rendsburg wurden hierzu insgesamt 134 Bauernhöfe als sogenannte Reuterhufen bestimmt und mit dauernder Zwangseinquartierung belegt. Den Reiterhufen war zwar eine gewisse Steuerfreiheit zugesichert worden, aber darauf nahm man bei der Eintreibung wenig oder gar keine Rücksicht bei den sonstigen Abgaben in Form von Geld, Naturalien und Leistungen. Für die Vollhufe Otte dauert diese Belastung 9 Jahre und brachte den Betrieb an den Rand des Untergangs.

1696      Jürgen Otte        zahlte als Fourage (Abgaben) voll. Es muss zu diesem Zeitpunkt zwei weitere Betriebe Otte gegeben haben.

Ebenfalls erwähnt werden Thies Otte, ¾ Fourage, und Harder Otte, ¾ Fourage

1700      Im Bericht des Kirchspielvogts Timm, Schenefeld, werden aufgeführt:

                Jürgen Otte    und        Hans Otte        1 Hufe

                Harder Otte                                          1 Hufe, vorhin (Amtssprache wg. Steuerfestsetzung) zu    den Reutern ausgelegt gewesen, sehr verarmt und dann zur Hälfte gesetzt:,jetzt ¾ Pflug

                Thies Otte   später Jens Karstens             1 Hufe

                Anmerkung:        Pflug        ist ein altes Flächenmaß und bedeutet die Größe eines Feldes, das mit einem                                                   Gespann an einem Tag beackert werden konnte.

Hufe        Diese Größe war regional sehr unterschiedlich und diente zur Bemessung der Steuern und Abgaben, die jeder Besitzer leisten musste. (lt. Recherche im Internet entspricht die Größe einer Hufe in unserer Region ca. 25 bis 30 Hektar. Aber dieses wurde unterschiedlich gesehen. Die die Größe einer Hufe war auch abhängig davon wie ertragreich die vorhandenen Acker- und Weidefläche waren, um den Hof (die Hufe) mit der dort lebenden Familie sowie den Helfern und das Vieh zu ernähren und somit eigenständig zu sein. Die angegebenen Hektar sind somit nur ein ungefährer Richtwert. Größere Höfe wurden als Vollhufen bezeichnet.

1738      Jürgen Ott ¾ Hufe             Detlef Ott ¼ Hufe             Claus Ott   Vollhufe

1741 wird Jürgen Ott als Bauernvogt von Beringstedt ausgewiesen.

1769 gibt es (lt. Unterlagen des Amtes Rendsburg) keine weiteren Betriebe mit dem Namen Ott.

Bei der Aufkoppelung der Dorfschaft Beringstedt von 1779 bis 1789 bestanden folgende Betriebe Otten:

                Sahmel Otten    zugeteilt     21/02/80  Quant 12/03/00 Quadet   01/00/04 Quant   12/03/06 Quadet

                Johann Otten    zugeteilt  05/03/14   Quant   03/02/08 Quadet   00/00/21 Quant   03/02/08 Quadet

1840      Samuel Ott         wird als Besitzer der Hufe genannt

In der Hofgeschichte Ruge wird eine Margarethe Ott *1830 erwähnt. Sie heiratete Claus Ruge *1831 und stammt vermutlich von diesem Hof. (was jedoch noch weiter nachzuforschen wäre in den Kirchenbüchern von Schenefeld.)

1869      Johann Ott          Besitzer der schuldenfreien ¾ Hufe. Zu seinem Haushalt gehören 4 Personen. Er                                        ist verheiratet mit Wiebke *1829, geb. Ruge (siehe Hofgeschichte Ruge, In der                                                       Marsch 7)

Dienstmagd ist bei ihm eine Lena Vollstedt und als Butterträger und Kätner im Nachbarhaus Stoffer Evers (eigentlich Christopher Evers, später das Haus von Hans Hinrichs. Es gehörte wohl früher zum Hof Ott).

1869 wurde folgender Viehbestand aufgeführt:  2 Pferde, 7 Kühe, 6 Schafe, 3 Schweine

1895      Claus Ott             Er heiratete Gretchen Kock (Tochter des Hofbesitzers Moritz Kock, Maisborstel (später Max Hinrich Martens).

Das Ehepaar hat 2 Töchter:   Wiebke   * 15.10.1892 gest. 08.03.1977                                                                          Anna      *          1895   (verheiratete Boie, Puls)        

In den Aufzeichnungen von Otto Bolln steht geschrieben:  

Das Bauernhaus Ott war zwar alt, es war aber, im Vergleich zu den anderen alten Höfen Beringstedts, schon Anfang des Jahrhunderts modern eingerichtet. Wohn-, Schlaf- und Küchenteil waren von der Lehmdiele (Groot Deel), mit den Vieh- und Pferdeställen, durch den Flur abgetrennt. Dies hatte den großen Vorteil, dass die Gerüche der Tiere etwas abgemildert wurden. Dieser Flur und auch die Küche hatten schon einen Terrazzo-Boden. Ich kann mich erinnern, dass wir als Kinder den italienischen Terrazzo-Machern beim Schleifen des fugenlosen Fußbodens interessiert zugeschaut haben, bis wir fortgescheucht wurden, weil wir störend im Weg waren. Die Arbeiter zogen damals von Haus zu Haus, arbeiteten auch nachts bei Licht, um solche neuartigen Fußböden herzurichten, was dann zur ganz großen Mode wurde. Ich kam regelmäßig in das Haus Ott, denn die Familie war Abonnent des christlichen Wochenblatts „Der Nachbar“ und dessen Vertrieb oblag mir, in meiner Schulzeit. Bei meinen wöchentlichen Besuchen im Haus Ott wurde ich stets besonders entlohnt mit einem Kaffeebrot, mit Heißewecken, mit Keksen oder mit einer Grützwurst. Im Herbst durfte ich mir die Taschen mit reifen Zuckerbirnen füllen, die auf einem Baum vor der Küchentür heranreiften. Wiebke und Anna Ott aber neckten mich immer sehr, wenn ich kam, was mir, als unbedarfter Knabe, genierlich war. Trotzdem blieb mir das Haus Ott immer in sehr guter Erinnerung.

Claus Ott verunglückte folgenschwer durch einen Sturz aus der Bodenluke auf die Lehmdiele. Er verletzte sich dabei so sehr, dass er fortan schwer gehbehindert war und sich nur auf Krücken oder Handstützen fortbewegen konnte. Er mußte sich ganz aus der Landwirtschaft zurückziehen und die Bewirtschaftung des Hofes seiner Frau, den Töchtern und fremden Hilfskräften überlassen. Er zog sich auf´s Altenteil zurück. Hierzu wurde ein Haus gebaut (Friedenstraße 1).

Otto Rosenkranz                     Wiebke Ott heiratete den -aus dem Kreis Plön- als jungen Mann ins Dorf gezogenen Otto Rosenkranz. Er bewirtschaftete als neuer Besitzer den Hof nach neuen Methoden. Er war von 1920 – 1927 Gemeinde-vorsteher in Beringstedt. Nach der Scheidung heiratete Wiebke erneut (Schmahl). Otto Rosenkranz verläßt Beringstedt. Er arbeitet als Verwalter auf einem Hof in Nordfriesland.

Der Betrieb wird verkauft an

               Wilhelm Fischer           und der wiederrum verkaufte kurz darauf weiter an

1930      Detlef Trede                 und Frau Margarethe Trede, geb. Fischer,                   

1961      Hinrich Wilhelm Trede  und Ingeburg, geb. Thode, übernehmen den Hof und bewirtschaften    ihn bis zu ihrem wohlverdienten Ruhestand.

2001      Dörte, geb. Trede, und Georg Goerzen      Ihre Eltern zogen in das Nachbarhaus (In der Marsch 2)