Übersetzung aus der alten deutschen Schrift im Jahr 1920 mit Hilfe von Gertrud Keller, abgetippt und digitalisiert von Rita Bokelmann:

 

Original                                                          Dorf- und Schulchronik

 

Vorwort

Im Jahre 1929 ließ ich versuchsweise, fortlaufend die Schulchronik von meinen reiferen Schülern -unter Mithilfe der ganzen Klasse - schreiben. Meine Schüler zeigten ein reges Interesse für diese Chronik, halfen tüchtig sammeln, lernten für die Nachwelt wertloses von Wertvollem zu unterscheiden. Sahen die große Arbeit der Geschichtsschreibung, erfuhren was wertvolle Quellen der Geschichtsschreibung sind, wurden angehalten zu unterscheiden zwischen Mutmaßungen und Tatsachen. Rückblickend auf das Jahr 1929 komme ich zu dem Ergebnis, dass die Dorf- und Schulchronik mehr wertvolles für die Nachwelt auf diese Weise festhält, als wenn nur der Lehrer alleine die Arbeit tut. Meine Absicht ist nun, auch in den nächsten Jahren die Chronik in dieser Art zu führen. Damit der Schüler nicht dauernd einen Einblick in die Chronik hat, wählte ich für dieselbe das lose Blattbuch. Dieses ermöglicht auch später gefundenes chronologisch einzuordnen.

Beringstedt, Februar 1930                   Max Göttsche          

 

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Neujahr 1929 Markus Rubien und Christine Jensen verlobten sich.

Am 04.01. 1929 Arthur Kloppenburg, Eddelak, mit Anna Schneider hier vermählt.

Im Januar 1929 Max Muhl, Bergenhusen mit Anna Mehrens hier verlobt.

Am 4.1.1929 Holzauktion im Gehölz `Wiekhorn´ (Klaus Voß).

Am 9.1.1929 Holzauktion im Gehölz `Ellerrehm´ (Carl Wieben).

Am 11.1.1929 Gutsbesitzer Braun, der aus Südrußland vertrieben ist, hielt einen Vortrag, der folgenden Inhalt hatte:

1803 ist sein Ur-Großvater nach der Ukraine ausgewandert. Er selber hatte ein Gut von 3000 Morgen (4 Morgen = 1 Hektar). Er schilderte anhand von Lichtbildern, schlicht aber packend, die Entwicklung der deutschen Kolonie und der Schule in Rußland, bis sie dann stark von den Bolschewiken bedrängt wurden. Ein Trupp dieser Horde zog von Dorf zu Dorf, steckte die Bauern in den Keller und warf Handgranaten hinein. Andere mußten ihre Kleidung ablegen und wurden erschossen. Aber die Deutschen ließen ihren Mut nicht sinken. Mit Gottes Hilfe erduldeten sie alle Pein.

Am 12.1.1929 verpachtete Hans Timm (Saar) sein Land auf 10 Jahre.

Am 14.1.1929 wurde bei Joh. Evers ein Junge geboren.

Am 16. 1.1929 war der Frost 60 cm tief, gemessen von Bahnarbeiter Schmook auf dem Bahnhof in Hademarschen. Das Wetter war stürmisch, Windstärke 15, die Chaussee glatt, die Kälte -10°Celsius aber sehr empfindlich. 

Am 17.1.1929 der Wind hatte sich gelegt. Die Kälte war morgens 7 Uhr -10°Celsius, mittags um 12 Uhr -6°C bei ständigem Sonnenschein. Der Himmel war unbewölkt. 

Am 18.1.1929 vormittags 11 Uhr -9°C. Über Nacht hatte sich Rauhreif gebildet. Das Eis war an geschützter Stelle über 40 cm dick. Bei Gastwirt Voß fand abends 8:30 Uhr eine Kinovorstellung statt. Wer wurden gezeigt:   Hindenburger Lebenslauf    UFA Wochenschau   Im Zeppelin über den Atlantik   und 1 Trickfilm.  Die nachmittags geplante Kindervorstellung mußte wegen der Beschädigung des Drachtes und der Birne ausfallen - Anstelle des verstorbenen Ältermannes der Beringstedter St.-Vitus-Gilde wurde sein Sohn, Claus Holm, gewählt.

 

Fortsetzung folgt demnächst...